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Historie des Flugplatzes Schönhagen

Wer einen Ort sucht, der gleichermaßen Geschichte und Zukunft der Brandenburger Luftfahrt verkörpert, wird auf dem Flugplatz Schönhagen fündig. Lesen Sie hier die Geschichte des Flugplatzes Schönhagen. Im Terminal gibt es außerdem eine historische Dauerausstellung.

 Vor dem zweiten Weltkrieg

Bereits in der 20er Jahren verzeichnen die Annalen erste fliegerische Aktivitäten auf den Hügeln rund um Trebbin. Mit Gummiseilen katapultierte man damals die ersten Gleiter von einer Bergkuppe östlich des heutigen Flugplatzgeländes, dem Löwendorfer Berg, in den Brandenburger Himmel. Eine Gruppe von Gärtnerlehrlingen machte mit selbstgebautem Fluggerät den Anfang, später folgten wagemutige Flieger aus der ganzen Region und vor allem aus Berlin. Eine stillgelegte Zigarrenfabrik in Trebbin wurde zur Produktionsstätte dieser Vorläufer des heutigen Segelflugzeuges. 1931 wurde die Bergkuppe um einen künstlich aufgeschütteten Hügel erhöht, vier Hallen wurden gebaut und mehrere Zelte errichtet. Der Segelflughafen Trebbin war geboren. Die LÜWA-Luftüberwachung errichtete auf dem Hügel eine Entwicklungsstelle und wurde somit zum Vorläufer der Forschungsaktivitäten auf dem heutigen Flugplatz. Albert Lorke war der erste Flugplatzchef.

In den folgenden Jahren wurden die Gummiseile von den ersten Winden abgelöst und schließlich wurde die Idee geboren, Segelflugzeuge, an einem Motorflugzeug hängend, in die Luft zu ziehen. Kein geringerer als der berühmte Kampfpilot und spätere General Ernst Udet zog mit einer Klemm 25 das erste Segelflugzeug aus dem Priedeltal, am Fuße des Löwendorfer Berges.

 

Das Dritte Reich

Der Startschuß für das heutige Flugplatzgelände war, im Zeichen der damaligen Zeit, die unrühmliche Enteignung der Familie Mosse.  Im Jahre 1934 verlor die jüdische Bankiersfamilie ihre umfangreichen Ländereien und Besitztümer rund um Schönhagen. Das damals noch dicht bewaldete Gelände am Fuße des Löwendorfer Berges wurde gerodet und die Flieger zogen 1935 vom Hügel herab in den ebenfalls enteigneten Gutshof Schönhagen. 1938 konnte der Flugbetrieb auf dem neuen Gelände starten. Vorrang hatte nun die Ausbildung junger Nachwuchsflieger für die Luftwaffe im NS Fliegerkorps, das 1937 aus dem Deutschen Luftsportverband ausgegliedert wurde. Die frisch ausgebildeten Lastenseglerpiloten wurden von Schönhagen aus direkt an die Front geschickt.

1940 zog man dann vom Gutshof in das neu errichtete Verwaltungsgebäude zwischen Flugplatz und Ortsrand.  1942 wurde die Pilotenschmiede in den Rang einer Reichssegelflugschule erhoben. Erster Schulleiter war ein Herr Kiefer. Bereits drei Jahre später sollte diese Ära zu Ende gehen. Auf Anordnung des Alliierten Kontrollrates wurden die neuen Gebäude dem Erdboden gleich gemacht und 1946 alle Segelflugzeuge verbrannt.

Die Nachkriegszeit

1952 beauftragte die Regierung der DDR die gerade gegründete Gesellschaft für Sport und Technik mit dem Wiederaufbau des Flugsports. Noch im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten für eine neue Fliegerschule und Flugzeughallen, die 1954 fertig gestellt wurden. Fritz Fliegauf leitete die erste Schule der Nachkriegszeit.

In den 50er Jahren war das Gebäude nicht nur Fliegerschule sondern entwickelte sich schnell zum Kulturzentrum mit Tanz-, Kino- und Sportveranstaltungen. Flughafenkonzerte mit bekannten Künstlern wurden damals aus Schönhagen live im Rundfunk übertragen. Erst später sollte aus der offenen Begegnungsstätte Flugplatz das hermetisch abgeriegelte, streng bewachte Gelände werden, mit dem Schönhagen die Wiedervereinigung erlebte.

Zu den ersten Segelflugaktivitäten gesellten sich 1956 der Motorflug und die Fallschirmspringerausbildung. Personelle und technische Ausstattung entwickelten sich rasant und bald wurde auch die Ausbildung des Personals anderer Flugplätze übernommen. Ab 1957 wurde Schönhagen zunehmend auch zum Austragungsort von Meisterschaften und Wettbewerben. Mannschaften aus Schönhagen errangen im Motorkunstflug und Fallschirmspringen viele Titel und Rekorde in verschiedenen Wettbewerben und Weltmeisterschaften. Ab Mitte der 60er Jahre wurden auch ausländischen Piloten ausgebildet, z.B. aus Kuba, Ägypten und dem Irak. Ein Besuch der Fliegerschule Schönhagen stand bei vielen ausländischen Delegationen auf dem Besuchsprogramm.

1974 gründete die GST ein Kombinat aus vier Schulen. Neben der Fliegerschule nahmen eine Funktionärsschule, Modellsportschule und eine Nachrichtensportschule den Lehrbetrieb auf. Ständig waren ca. 100 Schüler gleichzeitig in den Vierbettzimmern der Schönhagener Fliegerschule  untergebracht. Das neue Schulkombinat leitete Herr Stempin, Fritz Fliegauf blieb Leiter der Fliegerschule.

Einen Boom erlebte Schönhagen ab 1979. Nachdem sich Fälle von Republikflucht häuften, stellte die GST auf sieben Flugplätzen die Ausbildung ein. Schönhagen wurde neben Jahnsdorf bei Chemnitz zum einzigen Flugplatz mit Motorflugausbildung. Der Fallschirmsprungausbildung wurde auf Halle/Oppin konzentriert. Zahlreiche Flugzeuge wurden nach Schönhagen verlegt und die Ausbildung konzentrierte sich auf den Nachwuchs für die Streitkräfte, aber auch auf die von jungen Fluglehrern für die Fliegerschule selbst.

Die Neuzeit

1990, nach der Wiedervereinigung, wurde die GST und damit auch das Schulkombinat aufgelöst und die Treuhand übernahm die Verwaltung. Noch im gleichen Jahr wurde die erste Flugplatzgesellschaft Schönhagen mbH gegründet, an der zunächst die umliegenden Gemeinden beteiligt waren. Bis Mitte der 90er Jahre erwarb der Landkreis Teltow Fläming das Flugplatzgelände von der Treuhand, brachte es in die Flugplatzgesellschaft ein und übernahm die kleinen Gesellschafteranteile. Heute hält der Landkreis 99,54% an der Flugplatzgesellschaft, der Rest ist im Besitz der Stadt Trebbin. Erster Geschäftsführer der Nachwendezeit wurde Gerhard Blex, der seit Ende der 80er Jahre die fliegerische Ausbildung der GST geleitet hatte.

Inzwischen konnte Schönhagen erfolgreich an seine Geschichte anknüpfen und viele neue Impulse für die Zukunft setzen.
Mit rund 50.000 Flugbewegungen gehört Schönhagen auch heute wieder zu den wichtigsten Verkehrslandeplätzen Deutschlands und ist der verkehrsreichste in den neuen Bundesländern. Zwei Drittel der Flugbewegungen sind gewerblich. Heute findet man hier die gesamte, bunte Palette der Allgemeinen Luftfahrt, vom Privat- und Freizeitflieger über die verschiedenen Bereiche der Arbeitsluftfahrt bis zur Business Aviation. Sechs Ausbildungsbetriebe haben Schönhagen seit der Wende wieder zum größten Ausbildungsplatz Deutschlands gemacht.

Bereits Mitte der 90er Jahre wurde in eine asphaltierte, 1200 m lange Start- und Landebahn, in ein neues Vorfeld und in einen Tower investiert. 1998 entwickelte der dynamische Landkreis Teltow Fläming unter dem für den Flugplatz engagierten Landrat Peer Giesecke das Konzept eines Luftfahrt-Technologieparks. Seit 2002 wurde dieses Konzept unter dem gegenwärtigen Geschäftsführer Dr. Klaus-Jürgen Schwahn umgesetzt und weiter entwickelt.

Auf über 30.000 m² Gewerbefläche sind heute 39 Unternehmen, Vereine und Verbände zu Hause und jedes Jahr kommen neue Ansiedlungen hinzu. Entwicklungs- und Instandhaltungsbetriebe, Flugzeughersteller und Flugschulen nutzen erfolgreich die sich bietenden Synergien. Neben den anässigen Unternehmen haben 40 Firmen aus Berlin und Brandenburg ihre Flugzeuge und Hubschrauber in Schönhagen stationiert.

Ein seit 1999 laufendes Planfeststellungsverfahren konnte im Jahr 2006 rechtskräftig beendet werden. Dadurch waren die Weichen für die Bestandssicherheit und die künftige Entwicklung des Flugplatzes gestellt. Die Hauptstart- und Landebahn konnte auf 1550 m verlängert und die Flugplatzanlagen an die neuesten nationalen und internationalen Anforderungen angepasst werden.

Ein modernes Veranstaltungszentrum mit Räumen für bis zu 300 Personen für Tagungen und Events knüpft an das Kulturhaus der 50er Jahre an.  Regelmäßig ist Schönhagen Kulisse für Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen, u.a. für die Babelsberger Filmstudios.

Die Zukunftsfähigkeit des Flugplatzes Schönhagen wird auch durch die Kooperationen mit verschiedenen Hochschulen geprägt, die die Flugplatzinfrastruktur für verschiedene Forschungsaktivitäten nutzen.

Jüngster Entwicklungsschritt ist der Aufbau eines Luftsicherheitszentrums mit namhaften Partnern der Sicherheits- und Luftverkehrswirtschaft. Das Zentrum soll sich durch die Beteiligung an nationalen und internationalen Forschungsaktivitäten, der Bereitstellung von Testumgebungen sowie der Simulation von Bedrohungsszenarien für Training und Forschung, einschließlich der Entwicklung und Durchführung von Ausbildungsmodulen, einen Namen machen. Dabei bietet es entsprechenden Firmen und Institutionen Ansiedlungsmöglichkeiten mit großem Synergieeffekt.

Die Zukunft

Nicht zuletzt durch den Startschuss für den neuen Internationalen Großflughafen Berlin Brandenburg BER kann Schönhagen optimistisch in die Zukunft blicken.

In der Luftverkehrskonzeption des Landes Brandenburg steht Schönhagen im Hinblick auf die General Aviation an vorderster Stelle und entwickelt sich in der Luftfahrzeugkategorie bis 12 t max. Abfluggewicht zum wichtigsten Entlastungsflugplatz für den neuen Hauptstadtairport.  Der Umzug von Luftfahrzeugen aus dem früheren Tempelhof und aus Schönefeld, also dem künftigen BER ist weitgehend abgeschlossen. Die zahl der stationierten Luftfahrzeuge konnte in den letzten Jahren von rund 50 auf 180 gesteigert werden. In Anbetracht des aktuellen Flugbetriebes ist ein Instrumentenflugbetrieb schon alleine aus Sicherheitsgründen unverzichtbar. Nach einem fünf Jahre dauernden Genehmigungsverfahren hat der Flugplatz Schönhagen am 13.6.2012 eine Genehmigung für den Instrumentenflugbetrieb nach $ 6 LuftVG erhalten. Seit dem 22. Juni 2016 ist die Betriebsgenehmigung endgültig rechtskräftig. Die DFS hat inzwischen mit der Verfahrensplanung begonnen. Die endegültige Inbetriebnahme erfolgt Ende März 2018.

Die Nähe zu Berlin sowie die zentrale Lage inmitten des wachstumsstarken Wirtschaftsraumes zwischen dem südlichen Berlin, der Landeshauptstadt Potsdam, Ludwigsfelde und dem künftigen Großflughafen BER machen den Flugplatz Schönhagen heute und in Zukunft zum idealen Standort für die General Aviation der Hauptstadtregion. Dabei profitiert die Erreichbarkeit Schönhagens von den sich massiv im Ausbau befindlichen Verkehrsprojekten rund um den BER.